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Forstmoos

Das Forstmoos ist ein Niedermoorgebiet von einzigartigem landschaftlichem Reiz. An drei Seiten von Wald abgeschirmt, liegt die ca. 250 ha große, weiträumig offene Talmulde am Südwestrand des Dürnbucher Forstes bei Aiglsbach. Infolge von Entwässerungsmaßnahmen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ist das Moor in weiten Teilen stark entwässert. Dennoch blieb eine hohe naturschutzfachliche Wertigkeit erhalten mit Resten artenreicher Moorwiesen. Zahlreiche Arten der Roten Liste, wie etwa Wollgras, Breitblättriges Knabenkraut oder das Braunkehlchen, finden im Forstmoos ihr Auskommen.
Im Jahr 1992 wurde das Forstmoosprojekt ins Leben gerufen als das Forstmoos als Ausgleichsgebiet für den Bau der Audi-Teststrecke bei Schwaig festgelegt wurde. Es zielt auf eine Renaturierung des Niedermoorgebietes ab. Dabei hat der Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V. das Projektmanagement. Anfangs wurde ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt und im Juni 1995 ein ökologisches Flurneuordnungsverfahren durch das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz (ALE) eingeleitet. Mit Ausgleichsgeldern, Zuschüssen des Bayerischen Naturschutzfonds und Geldern des ALE wurden über 100 Hektar Fläche erworben und dem Landkreis Kelheim und der Gemeinde Aiglsbach in weitgehend zusammenhängender und arrondierter Form zugeteilt. Mit Fördermitteln aus dem Bayerischen Klimaschutzprogramm KLIP 2020 wurden 2016 weitere ca. 10 Hektar mit der Zielsetzung Moor- und damit Klimaschutz erworben. Somit stehen nun insgesamt über 110 Hektar Flächen in öffentlichem Eigentum für Naturschutzzwecke zur Verfügung.
Nach der Neuverteilung der Grundstücke im Jahr 2005 wurden Ackerflächen in Grünland umgewandelt und Wiesenflächen seither extensiv auf Grundlage von Fachkonzepten durch Landwirte gepflegt. Gehölzbestände werden nach Bedarf gepflegt und teilweise entfernt, um den offenen Landschaftscharakter zu erhalten. Seit 2016 verbringen auch erstmals seit Jahrzehnten wieder Rinder den Sommer im Forstmoos. Auf rund 30 Hektar, wurde in Anlehnung an die historische Weidenutzung eine extensive Rinderbeweidung installiert mit dem Ziel, die Strukturvielfalt und damit die Artenvielfalt zu fördern. Mit Schottischen Hochlandrindern kommt eine kleine, robuste Rasse zum Einsatz, die für die oft nassen, weichen Böden im Forstmoos sehr gut geeignet ist.
Die durchgeführten Maßnahmen werden durch wissenschaftliche Erfolgskontrollen begleitet. So zeigte eine faunistische Untersuchung der Vögel, Heuschrecken, Tagfalter und Libellen 2017, dass die Artenzahlen in etwa konstant blieben, es aber zu deutlichen Verschiebungen im Artenspektrum gekommen ist. Während nässeliebende Arten zurückgegangen oder verschwunden sind, haben weniger anspruchsvolle und trockenheitsliebende Arten zugenommen oder sind neu aufgetreten. Eine botanische Untersuchung wurde 2019/20 durchgeführt. Sie zeigt, dass infolge der großflächigen Extensivierung und von Landschaftspflegemaßnahmen die Biotopflächen stark zugenommen haben. Mit 34 gefährdeten oder stark gefährdeten Arten sind sehr viele auf der Roten Liste vertreten. Darunter die Orchideenarten Breitblättriges und Fleischfarbenes Knabenkraut sowie Sumpfständelwurz, die zusammen mit Magerkeitszeigern wie der Heidenelke in den letzten Jahren zugenommen haben. Langfristig zeigt sich aber auch in der Pflanzenwelt der Verlust von nässeliebenden Moorarten seit etwa der 1980/90er Jahre. Wie Grundwassermessungen vermuten lassen sind ursächlich für diese Entwicklung ein weiteres Austrocknen des Moorkörpers infolge der andauernden Entwässerung. Aufbauend auf diesen Ergebnissen können zukünftige Maßnahmen zur Renaturierung des Moorgebietes angegangen werden.


Chronologie des Forstmoosprojektes:
1992: Festlegung des Forstmooses als Kulisse für Ausgleichsfläche für die Audi-Teststrecke
1992/93: Erstellung eines Pflege- und Entwicklungsplans
Juni 1995: Start des ökologischen Flurneuordnungsverfahrens Aiglsbach II und Beginn mit dem Flächenankauf durch die öffentliche Hand mit Ausgleichsgeldern der Audi-Teststrecke, Fördergeldern des Bayerischen Naturschutzfond, Geldern des Amt für Ländliche Entwicklung.
1.11.2005: Vorläufige Besitzeinweisung
Juni/Juli 2008: Auslage Flurbereinigungsplan
2008 – 2013: Widersprüche / Rechtsstreit
2009: Ankauf von ca. 2,5 ha mit Fördermittel der Regierung von Niederbayern
22.07.2014: Schlussfeststellung Flurneuornungsverfahren Aiglsbach II
2016: Ankauf von weiteren 10 ha durch VöF im Rahmen des Bayerischen Klimaschutzprogramms KliP 2020.